Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland
Vielfalt, Zusammenhalt und Solidarität wurden in Köln nicht nur gefordert, sondern sichtbar gelebt.
Mit dem BE ONE Festival in Köln liegt ein außergewöhnlicher Tag hinter uns. Tausende Menschen kamen zusammen, begegneten einander, feierten miteinander und machten sichtbar, was in dieser Zeit besonders wertvoll ist: Vielfalt, Zusammenhalt und Solidarität.

Doch BE ONE war mehr als eine gelungene Großveranstaltung. Es war mehr als Musik, Bühne und Begegnung. Es war ein öffentlicher Ausdruck von Haltung. Ein Zeichen dafür, dass gemeinsames Leben nicht nur möglich ist, sondern aktiv gestaltet werden muss — gerade in einer Zeit, in der Rassismus, gesellschaftliche Spaltung und politische Verhärtung zunehmen.

Der Name dieses Festivals war daher nie bloß ein Titel. BE ONE war und ist ein Aufruf: zu Zusammenhalt ohne Gleichmacherei, zu Vielfalt ohne Angst, zu Freiheit ohne Ausgrenzung. Nicht das Trennende stand im Mittelpunkt, sondern das, was Menschen miteinander verbinden kann, ohne Unterschiede auszulöschen.

Genau darin lag die Kraft dieses Tages. Unterschiedliche Generationen, verschiedene Sprachen, kulturelle Hintergründe und Lebensrealitäten kamen an einem Ort zusammen. Kinder, Jugendliche, Frauen, Familien, ältere Weggefährtinnen und Weggefährten — sie alle gaben diesem Festival seine eigentliche Bedeutung. Besonders die starke Präsenz junger Menschen war ein wichtiges Signal. Sie hat gezeigt, dass Zukunft dort entsteht, wo Menschen nicht resignieren, sondern sich einbringen, Verantwortung übernehmen und mit Haltung sichtbar werden.

Auch das kulturelle Bild dieses Tages war Ausdruck dieser Idee. Unterschiedliche Musikrichtungen, verschiedene Sprachen und künstlerische Stimmen machten deutlich, dass Vielfalt keine abstrakte Formel ist, sondern eine gelebte Realität. Wo Menschen gemeinsam singen, zuhören, tanzen und sich begegnen, entsteht etwas, das weit über den Moment hinausreicht: Vertrauen, Nähe und ein gemeinsames Bewusstsein.

Für uns als Alevitische Gemeinde Deutschland war dieses Festival deshalb auch Ausdruck unserer Werte. Alevitisches Denken stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Es steht für Würde, Respekt, Gleichwertigkeit und Verantwortung. Die historische Erfahrung von Ausgrenzung und Nichtanerkennung gehört zugleich zur Realität alevitischen Lebens. Gerade deshalb wissen wir, wie wichtig es ist, die Stimme zu erheben — nicht nur dann, wenn es um uns selbst geht, sondern immer dann, wenn Menschen entwürdigt, entrechtet oder ausgegrenzt werden.

BE ONE hat gezeigt, dass Solidarität kein Zusatz ist. Sie ist eine gesellschaftliche Haltung. Sie beginnt dort, wo Menschen einander nicht als Bedrohung, sondern als Mitmenschen wahrnehmen. Und sie wächst dort, wo Unterschiede nicht gegeneinander ausgespielt, sondern in gegenseitigem Respekt getragen werden.

Mein Dank gilt allen, die diesen Tag möglich gemacht haben: den Mitgliedsgemeinden, den Organisierenden, den ehrenamtlich Engagierten, den Künstlerinnen und Künstlern, den Jugend- und Frauenstrukturen, den Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft sowie allen Freundinnen und Freunden, die mit ihrer Präsenz, ihrem Einsatz und ihrer Unterstützung zu diesem starken Bild beigetragen haben.
BE ONE war ein großer Erfolg. Aber wichtiger als der Erfolg ist die Erfahrung, die geblieben ist: dass Zusammenhalt möglich ist, dass Vielfalt tragen kann und dass Hoffnung wächst, wenn Menschen sich gemeinsam auf den Weg machen.

Und genau deshalb soll BE ONE nicht einmalig bleiben. Dieses Festival soll von nun an jedes Jahr ein Angebot sein — als Raum der Begegnung, als Ausdruck gemeinsamer Verantwortung und als sichtbares Zeichen dafür, dass eine solidarische, pluralistische und menschenwürdige Gesellschaft nicht nur gedacht, sondern gelebt werden kann.
BE ONE war mehr als ein Tag.
Es war ein starkes Versprechen für das, was wir gemeinsam weitertragen wollen.


